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Titel


Andreas Luther
Könige und Ephoren
Untersuchungen zur spartanischen Verfassungsgeschichte


Das Königtum in Sparta nahm in der griechischen Welt eine Sonderstellung ein, da stets zwei Könige zur gleichen Zeit regierten. Doch auch aufgrund seines besonders definierten Aufgabenbereichs im Rahmen der spartanischen Staatsordnung erschien es etwa dem Philosophen und Staatstheoretiker Aristoteles im 4. Jh. v.Chr. als ein ganz eigener Typus von Monarchie: „Es ist, um es einfach zu sagen, eine erbliche Feldherrenwürde auf Lebenszeit“.

Die politischen Kompetenzen dieses Amtes waren in klassischer Zeit beschränkt: Das höchste Staatsamt in Sparta stellte vielmehr das Ephorat dar, ein Gremium von fünf gewählten Jahresbeamten, in deren Händen neben der allgemeinen Steuerung der inneren und äußeren Politik und der Polizeigewalt auch große Teile der Rechtsprechung lagen. In der modernen Forschung wird nun angenommen, daß der Ursprung des spartanischen Königtums in einer „regulären“ Monarchie gelegen hat. Sukzessiv habe das Königtum Kompetenzen an die Vertreter der Bürgerschaft abgeben müssen. Lassen sich Stufen einer solchen Entwicklung nachweisen?

Die jüngere Forschung bejaht dies. In der vorliegenden Untersuchung indes wird diese „Entwicklungstheorie“ kritisch hinterfragt: Betrachtet wird der Zeitraum bis zum Jahre 400 v. Chr., als nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges Sparta auf dem Höhepunkt seiner Macht stand. Ausgangspunkt der Analyse sind die nach allgemeiner Ansicht frühesten Quellen, die über die Frühzeit des spartanischen Staates Auskunft geben - die bei Plutarch überlieferte sogenannte Große Rhetra mit ihrem Zusatz und die Dichtung des Tyrtaios:

Hier zeigt sich einerseits, daß ihre zeitliche Einordnung unsicher ist; andererseits scheint sich in diesen Texten durchaus ein Zustand der Staatsordnung widerzuspiegeln, der mit dem der klassischen Zeit übereinstimmt. Für den hier betrachteten Zeitabschnitt lassen sich lediglich zwei Belege für Veränderungen finden, in deren Folge das Verhältnis der spartanischen Staatsinstitutionen zueinander modifiziert wird: Erstens das bei Herodot (5,75) überlieferte Gesetz über die königliche Heerfolge von 506 sowie zweitens der leider nicht exakt datierbare Zusatz zur Großen Rhetra, der offenbar ebenfalls ein Gesetz darstellt. Beide Gesetze belegen jedoch nicht, daß die Kompetenzen des Königtums eingeschränkt wurden - im Gegenteil: Im Zusatz zur Rhetra wird den Königen und dem Ältestenrat (der Gerusia) das Recht zugesichert, Vorhaben des Volks durch ihr Veto zu blockieren. Insgesamt kann ein Aufstieg des Ephorats und ein analoger Niedergang des Königtums nicht nachgewiesen werden. Vielmehr ist für das spartanische Königtum eine „institutionelle Konstanz“ charakteristisch, die im übrigen schon in der Antike als solche wahrgenommen wurde.


Cover: Könige und Ephoren, Verlag Antike e.K.

Sept. 2004, Lieferbar
€ 24,90 [D], 160 Seiten
Gebunden, mit Fadenheftung
ISBN: 978-3-938032-01-5
Studien zur Alten Geschichte, Bd. 2


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2014-01-09 14:59

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